Die schnell wachsende Verbreitung von Informationstechnologien und deren fast schon selbstverständliche Integration in Gesellschaft, Politik, Berufsleben, führt dazu, dass für manche Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft erschwert wird oder sie gar ganz davon ausgeschlossen werden. Besonders betroffen sind Menschen mit Behinderungen, Bildungsdefiziten, Seniorinnen und Senioren.
Ebenfalls erschwerten Zugang zum Internet haben Menschen mit Migrationshintergrund, wobei Frauen aus traditionellen Kulturen gleich in mehrfacher Hinsicht vom Ausschluss aus der Informationsgesellschaft betroffen sind (Medienheft). Meist leben sie in streng patriarchalen Strukturen, eine Integration in die neue Heimat und damit einhergehende Unabhängigkeit von der Familie wird nicht unterstützt. Sie sind seltener berufstätig oder arbeiten handwerklichen Berufsfeldern, in denen sie kaum Kontakt mit Informatik haben. Wie Studien gezeigt haben, nutzen auch Menschen aus bildungsfernen Schichten und Menschen, deren Muttersprache nicht die deutsche Sprache ist oder der englischen Sprache nicht mächtig sind sowie sozial Benachteiligte, das Internet auffallend weniger, als andere (Wellmann 2006). Gesellschaft, Wirtschaft und Politik verlagern jedoch Informationsvermittlung, Dienstleistung und Handel mehr und mehr ins Internet: eGovernment, eHealth sind die elektronischen Trends unserer Zeit. Die Bestellung eines Reisepasses, Wahlen und Abstimmungen, die erste Diagnose bei Krankheitssymptomen oder tarifgünstige Ferngespräche sind ohne Internet kaum noch möglich. Doch wie sollen Menschen für die das Internet eine schier unüberwindbare Barriere bedeutet, zu Informationen kommen, die für eine chancengleiche Teilhabe an unserer Welt notwendig sind? Die meisten europäischen Länder ebenso wie die Europäische Union haben Strategiepapier zur Informationsgesellschaft verfasst:
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Der Schweizerische Bundesrat stellt beispielsweise in seiner revidierten Fassung der Strategie für eine Informationsgesellschaft fest, dass die Anwendung von IKT auch ernstzunehmende Risiken mit sich bringe (Strategie 2006). In einem der Grundsätze wird der „Zugang für alle“ zu den IKT gefordert, um einer sozialen und wirtschaftlichen Ausgrenzungen entgegenzuwirken.
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Die Initiative i2010 der EU und die Deklaration von Riga haben ein, wie mir scheint, ein ambitiöses Programm zur Förderung einer integrativen und barrierefreien Informationsgesellschaft vorgelegt.
Es wird sich aber noch zeigen müssen, ob diesen Strategien auch erfolgreich umgesetzte Projekte folgen.
Quellen:
Wellmann, Barry; Hogan, Bernie (2006): The Internet in Everyday Life.
Arnold, Judith (2007): Eine Informationsgesellschaft für alle. In: Medienheft, Zürich.
Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz (2006)
1 Antwort bis hierher ↓
informatica08 // März 31, 2008 um 11:31
Das Problem des „Zugangs für alle“ treffe ich immer wieder im BIZ an. Es ist auch heute noch nicht selbstverständlich, dass alle Jugendlichen Zugriff auf das Internet haben. Besonders bei der Lehrstellensuche erleichtert die Plattform http://www.berufsberatung.ch, auf der die Lehrstellen pro Kanton aufgeschaltet sind, die Suche enorm. In diesem Sinne bin ich recht gespannt, wie zum Beispiel die Umsetzung des „Zugangs für alle“ aussehen wird.