Silver Surfer (ab 60 Jahre), Best Ager (ab 40 Jahre) oder Generation 50plus, so werden in der Internet-Terminologie jene Menschen bezeichnet, die nicht mit dem Computer gross geworden sind, sondern der Generation der „Babyboomer“ oder gar einer früheren angehören. Diese Zielgruppe wurde vom Konsummarkt schon vor einigen Jahren entdeckt: Kosmetik- und Modeindustrie, Banken und Reiseveranstalter u.v.m., bewerben gezielt die ältere Generation. Es werden neue Produktelinien für sie entwickelt und in Hochglanzillustrierten, Fernsehen und Kino von Models mit Falten und silbernen Haaren präsentiert.
Auch der „Internet-Markt“ entdeckt zunehmend die ältere Generation. Das Internet bietet ihnen eine unermessliche Fülle an Wissen, lässt die Welt als Dorf erscheinen. Immer mehr Seniorinnen und Senioren gehen online, um Reisen zu buchen, einzukaufen, Bankgeschäfte zu erledigen und um soziale Kontakte zu pflegen. Plattformen wie Eons, Multiply,TeeBeeDee (englisch) und Platinnetz (deutschsprachig) verfolgen analog zu MySpace und Facebook den Community-Gedanken des Social-Networking, richten sich aber gezielt an ein älteres Publikum (Weise 2007). Hier können sich Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen, Lebensabschnitten, in Diskussionsforen austauschen.
Seniorenportale wie das Seniorenweb der Schweiz verfolgen andere Aufgaben, sie wollen Informationen verbreiten oder lassen sich für kommerzielle Zwecke einsetzen. Diese Seiten werden meist von Freiwilligen betreut und entbehren der finanziellen Ressourcen, um einen professionellen Auftritt umzusetzen.
Doch die Benutzung eines Computers, der Zugang zum World Wide Web, stellt für Menschen, die nicht mit den Kommunikationstechnologien gross geworden sind, immer auch eine Barriere dar, die sie je nach Bildungshintergrund leicht oder gar nicht überbrücken können. Sie sind also ebenfalls von der Gefahr einer digitale Ausgrenzung betroffen. Verwirrende Navigationsleisten, nicht skalierbare Schriften, interaktive Bildelemente mögen technisch attraktive Spielereien seien, erschweren aber gleichzeitig dem wenig versierten Nutzenden den Zugang zu einer Website. Ein neues Wegdesign muss daher zwingend auf Usability und Accessibility überprüft werden. (Dazu mehr in einem späteren Blog.)
Die Europäische Union geht davon aus, dass im Jahr 2020 ein Viertel der europäischen Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird. Diesem demographischen Wandel will die EU mit dem Projekt „Ageing Well in the Information Society“ begegnen. Viviane Reding, EU-Medienkommissarin, sagt, dass die neuen Technologien älteren Menschen durchaus helfen könnten, länger aktiv zu bleiben und selbst bestimmter zu leben (Spiegel Online 2007). Die Finanzierung dieses Projektes wird mit Hilfe der Mitgliedstaaten und der Wirtschaft geplant.
Mit dem Prinzip des „Generationenlernens“ wird bereits in einigen kommunalen Projekten praktische Unterstützung bei der Überwindung des Digital Divide angeboten. Eines von vielen Angeboten möchte ich hier nochmals erwähnen, die CompiSternli von Davos: Kinder der Mittelstufe bieten in ihrer Freizeit für Menschen ab 60 Jahren Computerkurse an und gleichzeitig kann ein Dialog unter den Generationen geführt werden, eine gegenseitige Sensibilisierung findet statt.
Quellen
Wiegand, Dorothee (2007): Unterschätzte Generation, Senioren entdecken PC und Internet. c’t Magazin für Computertechnik
Weise, Manfred (2007): Das Web 2.0 für Senioren. Neue Zürcher Zeitung
3 Antworten bis hierher ↓
August Scherer-Hug // März 28, 2008 um 7:54
Liebe Verena
Inhaltlich bist Du meiner Meinung nach absolut auf dem richtigen Weg, die Blogeinträge sind abgeschlossene kurze Darstellungen, sehr klar und gut verständlich geschrieben. Du beleuchtest die Teilaspekte aus verschiedenen Blickwinkeln und basierst auf einer breiten Quellenauswahl. Einfach weiter so!
Das gewählte Blogdesign ist sehr neutral, weshalb es – ich würde es mal so zu formulieren versuchen – das Thema sicherlich nicht stört, aber auch nicht einen unterstützenden oder überaus „animierenden“ Effekt hat. Das ist ganz klar ein Nebenaspekt, und ich würde nichts ändern jetzt, versuche Dich aber mal zu achten, wenn Du in Blogs stöberst, inwiefern das Design einen Einfluss auf unsere Rezeption hat.
Etwas „unbloggig“ ist aus meiner Sicht, wenn Du im dritten Beitrag elektronisch vorhandene Quellen separat anführst (auch wenn Du sie dort verlinkst). Da würde ich mir wirklich eine weniger wissenschaftliche Form wünschen bzw. eben die Möglichkeiten des Internet ausnützen und direkt im Text verlinken. Diese Form nur wählen, wenn Du nicht elektronische Quellen zitierst, wie im 4. Beitrag (–> dann aber auch die Zitationsregeln für Zeitschriften- bzw. Zeitungsartikel beachten…;-)) Und schliesslich: eine zusätzliche Möglichkeit wäre die Direkttverlinkung in Citeulike (muss aber nicht sein, nur als Anregung…;-))
Sehr gut finde ich Deine sonstig gewählten Verlinkungen, da triffst Du meines Erachtens eine ausgezeichnete Auswahl und „übertreibst“ es auch nicht.
@Jris: Deine Kommentare ausgezeichnet so – genau in unserem Sinne!
Nun wünsche ich erfolgreiches Weiterbloggen und freue mich auf die nächsten Beiträge!
Lieben Bloggruss
Gusti
iwwitch // März 30, 2008 um 2:37
Hallo Gusti,
vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Mein „unbloggiges“ Verhalten ist wohl auf Zeitmangel oder Schludrigkeit zurück zuführen, danke für den Hinweis.
Zum Blogdesign: Gerne hätte ich mich vor Blog-Beginn erstmal mit dem „Bloggen“ überhaupt auseinandergesetzt, mir verschiedene Blogs angesehen, Vergleiche von Themen und Designwahl gezogen etc. Wünschenswert wie denkenswert wäre diese Vorarbeit auch als Modulstart, beispielsweise als Gruppenarbeit. Denn ich bin überzeugt, dass ich nciht die Einzige bin, die sich bis vor kurzem kaum oder gar nicht mit diesem Medium auseinandergesetzt hat. Sich dieses Know-How selber zu erarbeiten wäre ebenso denkbar wie realisierbar, mit der nötigen Zeit. Da diese aber nicht zur Verfügung stand, wird eines meiner Ziele sein, in einem einfachen Layout einen lebendigen Blog zu erarbeiten.
Ganz zu Anfang des Semesters hatte ich auf grund des enorm engen Zeitplans Bedenken in Bezug auf die umsetzbare Qualität des Moduls geäussert. Das nicht optimal gewählte Design ist nun eines der Symptome, schade – ich bedaure es sehr.
sonntägliche Grüsse, Verena
informatica08 // März 31, 2008 um 11:24
Das Projekt CompiSternli finde ich eine sehr schöne Idee. Das Prinzip des Generationenlernens wird auf unkomplizierte Weise umgesetzt und zeigt gut, dass beide Seiten dabei etwas lernen, sei es konkret den Umgang mit einem neuen Medium oder mit Vermittlungsformen Erfahrungen sammeln können.