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Blinde und Sehbehinderte in Bibliotheken

April 5, 2008 · 1 Kommentar

Im InetBib (deutscher Newsletter für Bibliotheken) fragte kürzlich eine Studentin des Studienganges Bibliotheks- und Medienmanagements an der HdM Stuttgart (Hochschule der Medien) nach Erfahrungen von Bibliotheken, die für Blinde und Sehbehinderte einen speziellen Service anbieten. Bei meinen regelmässigen Besuchen in Schweizerischen Bibliotheken war mir bisher nie aufgefallen, dass es hier ein Angebot dieser Art gäbe. Umso neugieriger bin ich den verschiedenen Hinweisen nachgegangen:

Die Univeristätsbibliothek Dortmund stellt einen speziellen PC-Arbeitsplatz zur Verfügung, der u.a. mit einem extra grossen Bildschirm, einer Braille-Zeile, Zoom-Text, Brailledrucker und dem Sreen-Reader Jaws ausgestattet ist. Für die Literaturrecherche besteht Zugang zum SEHKON, einem Verzeichnis von Medien für Sehgeschädigte mit zitierfähig umgesetzter Literatur, mit über 10′000 Nachweisen, davon 1′000 in Volltext abrufbar. Das Bibliothekspersonal steht für Recherchen und Hilfe bei der Anwendung der assistiven Techniken zur Verfügung.

In diesem Podcast erzählt Regina Maurer vom SfBS (Service für Blinde und Sehbbehinderte) der UB Dortmund vom Angebot:

Ein anderer Hinweis kommt von Dietmar Bussmann, Max Plank Institut in Heidelberg. Er verweist auf den Marktführer für Produkte und Dienstleistungen für Blinde und Sehbinderte, die BAUM Retec AG. Eines ihrer neusten Produkte ist nur wenig grösser als ein Smart-Phone und ermöglicht Blinden und Sehbehinderten eine mobile Kommunikation, ob unterwegs SMS zu schreiben oder das Handy als PC-Ersatz zu nutzen, mit Conny ist dies alles ist möglich, dank der Unterstützung durch spezielle Software:

Conny, Familie Vario-Connect

Ich bin mir sicher, dass dies nur einen kleinen Ausschnitt der Dienstleistungen in Universitätsbibliotheken und öffentlichen Bibliiotheken beleuchtet. Vielleicht macht ihr an eurem eigenen Arbeitsort bereits Erfahrungen mit der Integration von sehgeschädigten NutzerInnen und Mitarbeitern?

Kategorien: Betroffen Bevölkerungsgruppen · Uncategorized

Silver Surfer

März 25, 2008 · 3 Kommentare

Silver Surfer (ab 60 Jahre), Best Ager (ab 40 Jahre) oder Generation 50plus, so werden in der Internet-Terminologie jene Menschen bezeichnet, die nicht mit dem Computer gross geworden sind, sondern der Generation der „Babyboomer“ oder gar einer früheren angehören. Diese Zielgruppe wurde vom Konsummarkt schon vor einigen Jahren entdeckt: Kosmetik- und Modeindustrie, Banken und Reiseveranstalter u.v.m., bewerben gezielt die ältere Generation. Es werden neue Produktelinien  für sie entwickelt und in Hochglanzillustrierten, Fernsehen und Kino von Models mit Falten und silbernen Haaren präsentiert.

Auch der „Internet-Markt“ entdeckt zunehmend die ältere Generation. Das Internet bietet ihnen eine unermessliche Fülle an Wissen, lässt die Welt als Dorf erscheinen. Immer mehr Seniorinnen und Senioren gehen online, um Reisen zu buchen, einzukaufen, Bankgeschäfte zu erledigen und um soziale Kontakte zu pflegen. Plattformen wie Eons, Multiply,TeeBeeDee (englisch) und Platinnetz (deutschsprachig) verfolgen analog zu MySpace und Facebook den Community-Gedanken des Social-Networking, richten sich aber gezielt an ein älteres Publikum (Weise 2007). Hier können sich Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen, Lebensabschnitten, in Diskussionsforen austauschen.

Seniorenportale wie das Seniorenweb  der Schweiz verfolgen andere Aufgaben, sie wollen Informationen verbreiten oder lassen sich für kommerzielle Zwecke einsetzen. Diese Seiten werden meist von Freiwilligen betreut und entbehren der finanziellen Ressourcen, um einen professionellen Auftritt umzusetzen.

Doch die Benutzung eines Computers, der Zugang zum World Wide Web, stellt für Menschen, die nicht mit den Kommunikationstechnologien gross geworden sind, immer auch eine Barriere dar, die sie je nach Bildungshintergrund leicht oder gar nicht überbrücken können. Sie sind also ebenfalls von der Gefahr einer digitale Ausgrenzung betroffen. Verwirrende Navigationsleisten, nicht skalierbare Schriften, interaktive Bildelemente mögen technisch attraktive Spielereien seien, erschweren aber gleichzeitig dem wenig versierten Nutzenden den Zugang zu einer Website. Ein neues Wegdesign muss daher zwingend auf Usability und Accessibility überprüft werden. (Dazu mehr in einem späteren Blog.)

Die Europäische Union geht davon aus, dass im Jahr 2020 ein Viertel der europäischen Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird. Diesem demographischen Wandel will die EU mit dem Projekt „Ageing Well in the Information Society“ begegnen. Viviane Reding, EU-Medienkommissarin, sagt, dass die neuen Technologien älteren Menschen durchaus helfen könnten, länger aktiv zu bleiben und selbst bestimmter zu leben (Spiegel Online 2007). Die Finanzierung dieses Projektes wird mit Hilfe der Mitgliedstaaten und der Wirtschaft geplant.

Mit dem Prinzip des „Generationenlernens“ wird bereits in einigen kommunalen Projekten praktische Unterstützung bei der Überwindung des Digital Divide angeboten. Eines von vielen Angeboten möchte ich hier nochmals erwähnen, die CompiSternli von Davos: Kinder der Mittelstufe bieten in ihrer Freizeit für Menschen ab 60 Jahren Computerkurse an und gleichzeitig kann ein Dialog unter den Generationen geführt werden, eine gegenseitige Sensibilisierung findet statt.

Quellen
Wiegand, Dorothee (2007): Unterschätzte Generation, Senioren entdecken PC und Internet. c’t Magazin für Computertechnik
Weise, Manfred (2007): Das Web 2.0 für Senioren. Neue Zürcher Zeitung

Kategorien: Betroffen Bevölkerungsgruppen · i2010 _ europäische Inititative

Internetferne Bevölkerungsgruppen: z.B. MigrantInnen

März 19, 2008 · 1 Kommentar

Die schnell wachsende Verbreitung von Informationstechnologien und deren fast schon selbstverständliche Integration in Gesellschaft, Politik, Berufsleben, führt dazu, dass für manche Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft erschwert wird oder sie gar ganz davon ausgeschlossen werden. Besonders betroffen sind Menschen mit Behinderungen, Bildungsdefiziten, Seniorinnen und Senioren.

Ebenfalls erschwerten Zugang zum Internet haben Menschen mit Migrationshintergrund, wobei Frauen aus traditionellen Kulturen gleich in mehrfacher Hinsicht vom Ausschluss aus der Informationsgesellschaft betroffen sind (Medienheft). Meist leben sie in streng patriarchalen Strukturen, eine Integration in die neue Heimat und damit einhergehende Unabhängigkeit von der Familie wird nicht unterstützt. Sie sind seltener berufstätig oder arbeiten handwerklichen Berufsfeldern, in denen sie kaum Kontakt mit Informatik haben. Wie Studien gezeigt haben, nutzen auch Menschen aus bildungsfernen Schichten und Menschen, deren Muttersprache nicht die deutsche Sprache ist oder der englischen Sprache nicht mächtig sind sowie sozial Benachteiligte, das Internet auffallend weniger, als andere (Wellmann 2006). Gesellschaft, Wirtschaft und Politik verlagern jedoch Informationsvermittlung, Dienstleistung und Handel mehr und mehr ins Internet: eGovernment, eHealth sind die elektronischen Trends unserer Zeit. Die Bestellung eines Reisepasses, Wahlen und Abstimmungen, die erste Diagnose bei Krankheitssymptomen oder tarifgünstige Ferngespräche sind ohne Internet kaum noch möglich. Doch wie sollen Menschen für die das Internet eine schier unüberwindbare Barriere bedeutet, zu Informationen kommen, die für eine chancengleiche Teilhabe an unserer Welt notwendig sind? Die meisten europäischen Länder ebenso wie die Europäische Union haben Strategiepapier zur Informationsgesellschaft verfasst:

  • Der Schweizerische Bundesrat stellt beispielsweise in seiner revidierten Fassung der Strategie für eine Informationsgesellschaft fest, dass die Anwendung von IKT auch ernstzunehmende Risiken mit sich bringe (Strategie 2006). In einem der Grundsätze wird der „Zugang für alle“ zu den IKT gefordert, um einer sozialen und wirtschaftlichen Ausgrenzungen entgegenzuwirken.
  • Die Initiative i2010 der EU und die Deklaration von Riga haben ein, wie mir scheint, ein ambitiöses Programm zur Förderung einer integrativen und barrierefreien Informationsgesellschaft vorgelegt.

Es wird sich aber noch zeigen müssen, ob diesen Strategien auch erfolgreich umgesetzte Projekte folgen.

Quellen:

Wellmann, Barry; Hogan, Bernie (2006): The Internet in Everyday Life.

Arnold, Judith (2007): Eine Informationsgesellschaft für alle. In: Medienheft, Zürich.

Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz (2006)

Kategorien: Betroffen Bevölkerungsgruppen