The End

Mit diesem Eintrag schliesse ich meinen Blog zum Thema e-Inclusion. Sowohl die schweizerische wie die europäische Strategie für ein barrierefreies Web haben noch einen weiten Weg zu gehen. Einiges ist zwar schon erreicht: die Hälfte der Europäischen Bürgerinnen und Bürgern benutzen regelmässig das Internet, gar 80% mit einem High-Speed Breitband Access. Bei genauer Betrachtung der Statistik wird aber klar, dass in Europa nach wie vor ein digitaler Graben auszumachen ist. So sind die Nordeuropäischen Staaten in der Umsetzung der IKT-Strategien bereits sehr weit, die Osteuropäischen Staaten jedoch haben noch einen grossen Nachholbedarf und sind zur Behebung desselben auf die Unterstützung der Mitgliedstaaten der EU angewiesen.

E-Inclusion oder barrierefreier Zugang zum Web, dahinter öffnet sich ein filigranes Netz von politischen, technischen und sozialen Themen. Die Erschliessung desselben gelang mir nur teilweise. So ist beispielsweise der Web-Auftritt der Europäischen Union wenig benutzerinnenfreundlich, die Usability sehr schwerfällig: zu viele Informationen zu wenig übersichtlich strukturiert. Auch das Offenlegen der Verbindungen der öffentlichen wie private Institutionen, die sich in der Umsetzung der e-Inclusion-Strategie auf nationaler wie internationaler Ebene engagieren, war nicht ganz einfach, vor allem aber sehr zeitaufwändig. So kann mein Blog zur Web-Accessibility nur ein Streiflicht auf ein komplexes Thema sein, viele Aspekte musste ich auslassen, wie beispielsweise eine genauere Betrachtungsweise der technischen Standards, die soziokulturellen Hintergründe für den digital Divide zwischen Nord- und Osteuropa oder eine Berichterstattung zum deutschen BIENE-Award, welcher für die besten deutschsprachigen barrierefreien Web-Sites vergeben wird. Die Link-Sammlung auf meiner Blog-Seite ist keineswegs vollständig, sie soll eine Auswahl an vertiefendem und weiterführendem Lesestoff aufzeigen.

Mein erster und wohl für lange Zeit letzter Blog findet hiermit sein Ende. Gerne habe ich mich auf dieses neue Medium eingelassen, mich jedoch nicht recht damit anfreunden können. Bloggen – eine neue Kommunikationsform, kurz – knapp und doch gehaltvoll solle ein Blog sein, mit Bild und Ton angereichert. Die Gestaltung der Seite wird zu einem zentralen Element für den Betrachtenden oder Lesenden. Eine nicht zu unterschätzende Vorgabe in Kombination mit dem wissenschaftlichen Anspruch einer Semesterarbeit. Während der Recherche und dem Texten wurde daraus ein immer wiederkehrender Widerspruch, den ich bis zum Schluss nicht zu meiner Zufriedenheit lösen konnte. Meiner Ansicht nach eignen sich Blogs mehr für einen Magazin-Stil, der einen unterhaltenden oder kurz-informativen Auftrag erfüllen soll. Ein sehr schönes Beispiel hierzu ist die Seite einer jungen Designerin Swissmiss.

Wird die Welt dank IKT zu einem globalen Dorf? Diese Einstiegsfrage begleitete mich während der Arbeit an meinem Blog immer wieder. Eine abschliessende Antwort darauf zu finden war aber nicht mein Ziel und wäre auch nicht möglich. Die IKT beeinflussen sicherlich unser alltägliches, gesellschaftlichens und politisches Leben. Ich hoffe, mit meinem Blog einen Beitrag zur Sensibilisierung geleistet zu haben.

Accessibility Day an der Informatica 08

Der 11. Juni 2008 war an der Informatica 08 ganz der Web-Accessibility gewidmet. Ziel der Fachtagung im Rahmen des Jahres der Informatik war es, den momentanen Stand der Accessibility (Barrierefreiheit) in der Praxis, in der Forschung sowie in der Bildung in der Schweiz aus verschiedenen Perspektiven darzustellen. Fachleute und Betroffene aus dem Bereich ICT-Accessibility aus der Schweiz, Deutschland und Österreich haben ihre Projekte und Aktivitäten vorstellen.

Markus Riesch und Selamet Aydogdu von der Stiftung „Zugang für alle“ informierten über die Bedeutung des Internets für Menschen mit Behinderungen (► Präsentation), es gab ein kurzes Referat zum neuen Web-Accessibility-Standard WCAG 2.0 (►), Luzia Haven von namics setzte sich engagiert mit der Frage „Internet für alle ­ eine Herausforderung?“ auseinander (►) und Roberto Bianchetti zeigte auf, welche Anpassungen zwingend notwendig sind, damit auch sehbehinderte Internet-Nutzer in pdf-Dokumenten navigieren und diese lesen können (►).

Die Schweizerische Post (►) und die Credit Suisse (►) zeigten ihre Projekte zum Abbau der Barrieren im Web und schliesslich klang der Tag beim Apéro zur Live-Übertragung des EM-Gruppenspiels Tschechien-Portugal aus (1:3).

Barrierefreies Reisen:
Diesen Beitrag greife ich hier stellvertretend für die Fachtagung auf. Peter Früh von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, ZHAW. stellte die Machbarkeitsstudie „Folgen der Leitlinien mit Handy“ vor. Im Juni diesen Jahres ist eine erster Feldtest mit mehreren sehbehinderten Personen geplant.

Passagiere mit Behinderungen können heute oft nicht alleine und ohne Hilfe Flugreisen unternehmen, obwohl die Zugänglichkeiten für Behinderte an den meisten Flughäfen gegeben sind. Die grössten Hindernisse für Passagiere mit Behinderungen sind die Orientierung im Flughafen, das Beschaffen von Informationen zu Abflug oder Ankunft, Verspätungen oder Passkontrolle und mehr. Das Institut für angewandte Informationstechnologie der ZHAW arbeitet zusammen mit dem Flughafen UNIQUE an einer Machbarkeitsstudie für einen Personal Mobile Assistant (PMA). Der PMA soll sehbehinderten Flugpassagieren den Weg von zu Hause bis and das gewünschte Abflug-Gate weisen und umgekehrt sowie sie jederzeit mit den aktuellen Reiseinformationen versorgen.

Seit 2003 sind die SBB daran, die Bahnhöfe mit visuell-taktilen Leitlinien auszustatten.

Seit 2003 sind die SBB daran, die Bahnhöfe mit visuell-taktilen Leitlinien auszustatten.

Die Idee des Projektes sieht vor, dass diese mit dem Handy gescannt werden können und mit Hilfe einer speziellen Software, die darin verschlüsselten Informationen in akustische Signale umgewandelt werden können. Zuvor müssen Standort und Ziel eingegeben werden. Mit diesen Koordinaten kann das System die Person nun an den Zielpunkt navigieren. Das Leitsystem auf Flughäfen soll ergänzend mit Tags ausgestattet werden. Diese können von den Sehbehinderten ebenfalls mit ihrem Handy gescannt und in Navigationsinformationen umgesetzt werden.

Der Tag-Reader auf dem Handy dekodiert dazu den gescannten Tag und sendet die Tag-ID mit weiteren Informationen wie Benutzer-ID, Zielort etc., an den BeeTagg-Server. Dieser kennt den zur Tag-ID gehörenden Applicationen-Server und leitet die Anfrage an diesen weiter. Der Applicationen-Server kommuniziert nun direkt mit dem Benutzer.

Ein Blick auf das eine oder andere Referat lohnt sich, sie sind sehr informativ und verständlich aufgebaut.

So lässt sich hoffen, dass für die Anliegen der e-Inclusion aus der Zusammenarbeit mit dem Informatik Jahr in der Schweiz und den beteiligten Institutionen eine breite Sensibilisierung stattfinden wird.

Mid-Term Review

Anlässlich der Halbzeit der i2010 Initiative hat die Kommission der EU zu Handen des Europäischen Parlamentes einen Zwischenbericht (Mid-Term-Review) verfasst. Diesen habe ich mir nun angeschaut, verschiedentlich hatte ich auch schon Zweifel an der Realisierbarkeit der hochgesteckten Ziele geäussert. Je mehr staatliche Entscheidungsträger mit unterschiedlichen Agenden an einem Projekt beteiligt sind, umso komplexer wird in der Regel dessen Umsetzung.

Bereits im November letzten Jahres war von der Europäischen Kommission für eine Informationsgesellschaft das Riga Dashboard, ein Bericht zum Stand der Entwicklung der i2010 Initiative publiziert worden. Mit einem eher pessimistischen Ton: Die Bewegung zur Erreichung der Rigaer Ziele ist nur mit halbem Tempo unterwegs. Kämen nicht weitere Anstrengungen und eine verstärkte Zusammenarbeit der Staaten zustande, könne das Ziel frühestens 2015 erreicht werden (Riga Dashboard 2007, S. 3f).

Im selben Monat publizierte die Kommission der Europäischen Gesellschaft ebenfalls einen Bericht, mit einem ähnlichen Fazit: „Trotz … begrüssenswerter Initiativen sind die Fortschritte … noch immer so gering, dass die Ziele von Riga voraussichtlich nicht erreicht werden können.“ Eine Begründung wird in fragmentierten Ansätzen und mangelnder Zusammenarbeit gesehen ( KOM 694 2007, S. 2).

Mid-Term-Review, eine Zusammenfassung

Die Mid-Term-Review gliedert sich in drei Teile:

  • einem jährlichen Report, der den Stand der Erreichung des Benchmarkings dokumentiert
  • einer List of Actions, in welcher die vergangenen Aktionen beschrieben werden und
  • den Länder-Profilen, in welchem Fortschritt und Aktionen länderspezifisch untersucht wurden.

Die nordeuropäischen Staaten wie Dänemark, Holland, Schweden oder Finnland liegen bereits 75% über dem europäischen Durschnitt im IKT – Vergleich. Dagegen sind Länder wie Griechenland, Bulgarien, Zypern, Polen und Rumänien bis zu 75% hinter dem europäischen Vergleich zurück.

Breitband-Versorgung:

Die Mid-Term-Review belegt, dass mittlerweile 50% der Europäischen Bürgerinnen und Bürgern regelmässige Internet-User sind. Der High-Speed Breitband Internet-Zugang wird zur Norm, bis Ende 2007 80%. Im Vergleich dazu waren es 2005 nur 50%. Der Breitbandmarkt der EU entwickelt sich schnell und ist bereits grösser als der Markt der Vereinigten Staaten. Die Grafik der Anschluss-Verteilung zeigt jedoch klar, dass das Wachstum nicht in allen europäischen Ländern gleich ist. Geographische und strukturelle Rahmenbedingungen sind weiterhin zentrale Punkte der e-Inclusion bzw. Exklusion:

IT-Nutzung, Ländervergleich

Im Ländervergleich der IT-Nutzung sind wieder eklatante Unterschiede auszumachen. Dänemark und Holland zählen eindeutig zu den „Gewinnern“, sie liegen bereits mehr als 40% über dem europäischen Durchschnitt beim Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologien. Bulgarien und Griechenland stehen in der Entwicklung jedoch noch weit zurück. Auf das Einsetzen der Grafik zur Visualisierung verzichte ich hier, da ich sie trotz Legend kaum lesbar fand (Link). Allerdings nutzen fast 40% der Eurpäier das Internet überhaupt nicht, und 46% der europäischen Haushalte haben noch keinen Internetanschluss.

Der elektronische Geschäftsverkehr entwickelt sich ebenfalls langsamer, als vorgesehen. Gründe dafür sieht die Kommission in mangelndem Vertrauen der Konsumenten in die Nutzung der IKT. Allerdings nutzen doch 77% der Unternehmen das Internet um Geschäfte mit Finanzinstituten oder den Behörden abzuwickeln und bieten selber eBusiness für ihre Kunden an.

Investitionen in IKT

Forschung und Entwicklung im Bereich der IKT ist einer der Hauptpfeiler der i2010-Initiative. Nur wenige europäische Staaten können diese gesetzten Ziele jedoch erreichen, Schweden und Finnland treten hier mit ausserordentlichen Resultaten hervor und übertreffen sogar das amerikanische Niveau. Andere Länder wie beispielsweise Deutschland und Frankreich müssten ihre Investitionen in diesen Bereichen noch erhöhen, wollen sie das in der RIGA-Deklaration unterzeichnete Ziel erreichen.

Die Mid-Term-Review wird von schönen, wenn auch manchmal schwer lesbaren (s.oben) Grafiken illustriert.

i2010, eInclusion, die Websites der EU

e-Inclusion ist weit mehr als die Entwicklung neuer Web-Standards für barrierefreien Zugang zum Internet und damit die Integration in denselbem zu fördern. e-Inclusion ist auch eine Kampagne der Europäischen Union, mit politischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen.

In den vorangegangen Blogs habe ich mich mit internetfernen Bevölkerungsgruppen beschäftigt. In den nächsten Blogs werde ich mich nun mit Strategien und Initiativen der Europäischen Union befassen. Nun gilt es, sich erstmal einen Überblick über die Verknüpfung der Strategien und Kampagnen der Europäischen Union zur Informationsgesellschaft und den verschiedenen Websites der EU hierzu, zu verschaffen.

Lisbon Strategy:

Im Jahr 2000 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union am Gipfel in Lissabon den Entwurf eines Strategiepapiers, basierend auf dem Konsens aller, Europa dynamischer und wettbewerbsfähiger zu machen. Im Juni 2005 wurde die Strategie mit den Hauptzielen, das wirtschaftliche Wachstum zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen, überarbeitet und schliesslich, wiederum in Lissabon, im vergangenen Dezember verabschiedet. HIer ist der Vertrag von Lissabon, Europa auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, nachzulesen.

Initiative i2010:

Die Initiative „i2010 – Eine Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung“ der Europäischen Kommission, mit welcher der Ausbau der digitalen Wirtschaft vorangetrieben werden soll, ist Bestandteil der übergeordneten „Lissabonner Strategie“. (Diese Website hierzu gibt es nur in englischer Sprache.)

Drei Säulen für i2010:

  • Europäischer Informationsraum: Schaffung eines offenen und wettbewerbsfähigen EU-Binnenmarktes für die Dienste der Informationsgesellschaft und der Medien.

  • Innovation und Entwicklung: Förderung von Innovationen und Erhöhung der EU-Investitionen in die IKT-Forschung

  • e-Inclusion: Förderung einer integrativen und barrierefreien Informationsgesellschaft in Europa, um auf die Herausforderungen der Globalisierung und demographische Veränderungen zu reagieren.

Ein Annual Report berichtet über den Einfluss auf die wirtschaftliche Lage der einzelnen Mitgliedstaaten der EU und überprüft das Einhalten der gesetzten Massstäbe und Zielsetzungen. Im April 2008, zwei Jahre nach dem Start der Initiative i2010 wurde ein Zwischenbericht, Mid-Term Review veröffentlicht.

e-Inclusion:

Im Juni 2006 verabschiedete in Riga die Europäische Kommission die Deklaration „ICT for an Inclusic Society“ zur Kampagne e-Inclusion. Die EU knüpft damit an die Initiative i2010 an, in der sie bereits den Informations- und Kommunikationstechnologien eine entscheidende Schlüsselrolle im privaten wie öffentlichen Leben zuordnet und damit natürlich auch dem wirtschaftlichen Wachstum Europas. Womit wiederum an der Lissabonner Strategie angeknüpft wird.

Blinde und Sehbehinderte in Bibliotheken

Im InetBib (deutscher Newsletter für Bibliotheken) fragte kürzlich eine Studentin des Studienganges Bibliotheks- und Medienmanagements an der HdM Stuttgart (Hochschule der Medien) nach Erfahrungen von Bibliotheken, die für Blinde und Sehbehinderte einen speziellen Service anbieten. Bei meinen regelmässigen Besuchen in Schweizerischen Bibliotheken war mir bisher nie aufgefallen, dass es hier ein Angebot dieser Art gäbe. Umso neugieriger bin ich den verschiedenen Hinweisen nachgegangen:

Die Univeristätsbibliothek Dortmund stellt einen speziellen PC-Arbeitsplatz zur Verfügung, der u.a. mit einem extra grossen Bildschirm, einer Braille-Zeile, Zoom-Text, Brailledrucker und dem Sreen-Reader Jaws ausgestattet ist. Für die Literaturrecherche besteht Zugang zum SEHKON, einem Verzeichnis von Medien für Sehgeschädigte mit zitierfähig umgesetzter Literatur, mit über 10’000 Nachweisen, davon 1’000 in Volltext abrufbar. Das Bibliothekspersonal steht für Recherchen und Hilfe bei der Anwendung der assistiven Techniken zur Verfügung.

In diesem Podcast erzählt Regina Maurer vom SfBS (Service für Blinde und Sehbbehinderte) der UB Dortmund vom Angebot:

Ein anderer Hinweis kommt von Dietmar Bussmann, Max Plank Institut in Heidelberg. Er verweist auf den Marktführer für Produkte und Dienstleistungen für Blinde und Sehbinderte, die BAUM Retec AG. Eines ihrer neusten Produkte ist nur wenig grösser als ein Smart-Phone und ermöglicht Blinden und Sehbehinderten eine mobile Kommunikation, ob unterwegs SMS zu schreiben oder das Handy als PC-Ersatz zu nutzen, mit Conny ist dies alles ist möglich, dank der Unterstützung durch spezielle Software:

Conny, Familie Vario-Connect

Ich bin mir sicher, dass dies nur einen kleinen Ausschnitt der Dienstleistungen in Universitätsbibliotheken und öffentlichen Bibliiotheken beleuchtet. Vielleicht macht ihr an eurem eigenen Arbeitsort bereits Erfahrungen mit der Integration von sehgeschädigten NutzerInnen und Mitarbeitern?

Introducing i2010

Dieses Video gibt einen ersten Überblick über die Initiative i2010 der Europäischen Union, welche 2006 gestartet wurde:

Silver Surfer

Silver Surfer (ab 60 Jahre), Best Ager (ab 40 Jahre) oder Generation 50plus, so werden in der Internet-Terminologie jene Menschen bezeichnet, die nicht mit dem Computer gross geworden sind, sondern der Generation der „Babyboomer“ oder gar einer früheren angehören. Diese Zielgruppe wurde vom Konsummarkt schon vor einigen Jahren entdeckt: Kosmetik- und Modeindustrie, Banken und Reiseveranstalter u.v.m., bewerben gezielt die ältere Generation. Es werden neue Produktelinien  für sie entwickelt und in Hochglanzillustrierten, Fernsehen und Kino von Models mit Falten und silbernen Haaren präsentiert.

Auch der „Internet-Markt“ entdeckt zunehmend die ältere Generation. Das Internet bietet ihnen eine unermessliche Fülle an Wissen, lässt die Welt als Dorf erscheinen. Immer mehr Seniorinnen und Senioren gehen online, um Reisen zu buchen, einzukaufen, Bankgeschäfte zu erledigen und um soziale Kontakte zu pflegen. Plattformen wie Eons, Multiply,TeeBeeDee (englisch) und Platinnetz (deutschsprachig) verfolgen analog zu MySpace und Facebook den Community-Gedanken des Social-Networking, richten sich aber gezielt an ein älteres Publikum (Weise 2007). Hier können sich Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen, Lebensabschnitten, in Diskussionsforen austauschen.

Seniorenportale wie das Seniorenweb  der Schweiz verfolgen andere Aufgaben, sie wollen Informationen verbreiten oder lassen sich für kommerzielle Zwecke einsetzen. Diese Seiten werden meist von Freiwilligen betreut und entbehren der finanziellen Ressourcen, um einen professionellen Auftritt umzusetzen.

Doch die Benutzung eines Computers, der Zugang zum World Wide Web, stellt für Menschen, die nicht mit den Kommunikationstechnologien gross geworden sind, immer auch eine Barriere dar, die sie je nach Bildungshintergrund leicht oder gar nicht überbrücken können. Sie sind also ebenfalls von der Gefahr einer digitale Ausgrenzung betroffen. Verwirrende Navigationsleisten, nicht skalierbare Schriften, interaktive Bildelemente mögen technisch attraktive Spielereien seien, erschweren aber gleichzeitig dem wenig versierten Nutzenden den Zugang zu einer Website. Ein neues Wegdesign muss daher zwingend auf Usability und Accessibility überprüft werden. (Dazu mehr in einem späteren Blog.)

Die Europäische Union geht davon aus, dass im Jahr 2020 ein Viertel der europäischen Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird. Diesem demographischen Wandel will die EU mit dem Projekt „Ageing Well in the Information Society“ begegnen. Viviane Reding, EU-Medienkommissarin, sagt, dass die neuen Technologien älteren Menschen durchaus helfen könnten, länger aktiv zu bleiben und selbst bestimmter zu leben (Spiegel Online 2007). Die Finanzierung dieses Projektes wird mit Hilfe der Mitgliedstaaten und der Wirtschaft geplant.

Mit dem Prinzip des „Generationenlernens“ wird bereits in einigen kommunalen Projekten praktische Unterstützung bei der Überwindung des Digital Divide angeboten. Eines von vielen Angeboten möchte ich hier nochmals erwähnen, die CompiSternli von Davos: Kinder der Mittelstufe bieten in ihrer Freizeit für Menschen ab 60 Jahren Computerkurse an und gleichzeitig kann ein Dialog unter den Generationen geführt werden, eine gegenseitige Sensibilisierung findet statt.

Quellen
Wiegand, Dorothee (2007): Unterschätzte Generation, Senioren entdecken PC und Internet. c’t Magazin für Computertechnik
Weise, Manfred (2007): Das Web 2.0 für Senioren. Neue Zürcher Zeitung